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Donnerstag, 22. Juni 2017



Montag, 20. März 2017


Mittwoch, 5. April 2017 um 21:08:57 von Kulturpool Redaktion

Die Auferstehung

Anlass
Ostern

Die Auferstehung zählt zu den zentralen christlichen Glaubensinhalten und ist daher auch ein wichtiges Motiv in der Kunst. Allerdings taucht es in der Kunstgeschichte erst relativ spät auf. Erst in der Gotik wurde es üblich, den Moment der Auferstehung selbst darzustellen, zunächst noch mehr symbolisch, später in zunehmend realistischem Sinn. Ab dem 12.Jahrhundert häufen sich Darstellungen, die Jesus zeigen, wie er aus einem in der römischen Antike häufig verwendeten Steinsarg steigt, dessen Deckel beiseite geschoben ist. Erst im 15.Jahrhundert - ausgehend von Italien - finden wir die danach so beliebten Darstellungen, die Jesus aus dem Grab schwebend zeigen, wie etwa auf Matthias Grünwalds Isenheimer Altarbild zu Beginn des 16.Jahrhunderts.

Anonyme Darstellung der Auferstehung Christi, vermutlich aus der florentinischen Schule um 1560 (aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien)

Beim Konzil von Trient (1545 - 1563), in dem es insbesondere darum ging, auf die Forderungen und Lehren der Reformation zu reagieren, wurde von den Künstlern gefordert, wieder zu der ursprünglichen, nicht-schwebenden Darstellungsform der Auferstehung zurückzukehren. Eine Forderung, die - von wenigen Ausnahmen abgesehen (Tintoretto malte noch 1565 in der Chiesa San Cassiano einen über dem Grab schwebenden Jesus) - bis ins 19.Jahrhundert weitgehend eingehalten wurde. Die beiden berühmten Auferstehungsbilder von Peter Paul Rubens aus den Jahren 1611 und 1635 etwa zeigen Jesus wieder mit beiden Beinen am Boden triumphierend mit der Kreuzfahne in der Hand aus einem Felsengrab steigend.

Meister des Christophorus um 1500 (aus der Sammlung Belvedere Museum Wien; links) und der große, 1518 vollendete Flügelaltar Albrecht Altdorfers für Stift St. Florian mit der Passion Christi und der Legende des hl. Sebastian, eines der Hauptwerke der Donauschule (aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museums Wien, rechts)

In der modernen Kunst ist die Auferstehung dagegen ein seltener Gegenstand der Darstellung. Anders als noch im Barock schrecken die Künstler - wie es der Kunsthistoriker Horst Schwebel formuliert - im 20.Jahrhundert „davor zurück, über Kreuzigung und Sterben hinaus Christus als Auferstandenen, gen Himmel Fahrenden oder als Pantokrator darzustellen.“

Auferstehungsteil von Matthias Grünwalds Isenheimer Altarbild (Beginn des 16.Jahrhunderts,links) und Auferstehung von James Tissot (um 1900, rechts)

Der französische Genremaler James Tissot (eigentlich Jacques Joseph Tissot,1836 - 1902), der sich in seinem Spätwerk intensiv religiösen Themen widmete, „wagte“ sich freilich auch an den schwebenden Auferstandenen. Und auch bei Emil Nolde scheint Christus mit seinem überlängten, auch durch die Armstellung immateriell wirkenden Körper, wenn nicht dem Grabe, so zumindest dem Bilde zu entschweben.

Die Auferstehung Christi von Peter Paul Rubens (1611-12), zentrale Holztafel des Flügelaltars in Antwerpen (links) und Michel Cirys Auferstehung (1957), die anschaulich die ganz andere Wahrnehmung des Christusbildes im 20.Jahrhundert illustriert (rechts)

Eine der wohl genialsten Lösungen des Problems, den auferstandenen und daher nicht mehr irdischen Christus darzustellen, hat kein geringerer als Rembrandt gefunden. Er stellt ihn als pures Licht, als strahlende Energie dar, die hinter einem Engel erscheint, und setzt damit ein spirituelles, sich jedem Naturalismus verweigerndes Statement.

Auferstehung Christi von Rembrandt van Rijn (1606-1669, links) und von Emil Nolde (1867-1956, rechts)